20 Jahre Agiles Manifest – Eine Sammlung unserer Erfahrungswerte

Wahrscheinlich seid ihr irgendwann in eurem Arbeitsleben schon mal über das Agile Manifest gestolpert oder habt anderweitig schon mal davon gehört. Aber was genau ist das Agile Manifest (Agile Manifesto) und warum ist es so wertvoll für unsere Arbeit und unser Miteinander? 

 

In diesem Artikel nehmen wir euch mit auf die Reise des Agilen Manifests und wieso wir so erfolgreich damit arbeiten.

 

Kurze Hintergrundinfo: Das Agile Manifest wurde 2001 unter dem Namen „Manifesto for Agile Software Development“ von 17 Autoren verfasst. Es schafft eine Basis für agiles Projektmanagement und umfasst in seiner ursprünglichen Version nur ca. 100 Wörter. Seit 2001 wurde das Agile Manifest kaum verändert. Allein das zeigt doch, wie genial es ist 😉. 

 

Das Agile Manifest vertritt vier Werte:
  • Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software über umfassende Dokumentation 
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden über Vertragsverhandlung 
  • Reagieren auf Veränderung über das Befolgen eines Plans

 

Die Werte auf der rechten Seite sind zwar wichtig, die Werte auf der linken Seite jedoch wichtiger. Aus diesen vier Werten ergeben sich weitere zwölf Prinzipien. Mehr dazu gibt’s hier.

 

amiconsult & das Agile Manifest 

Bei uns ist das Agile Manifest nicht nur eine Ansammlung von Stichpunkten und Prozessen, sondern Kultur. Nach dem Agilen Manifest zu arbeiten, erfordert meist erst mal eine Änderung im Arbeitsleben. Da sich die Arbeitsweise ändert, braucht man einen neuen Rahmen.

 

Die Bedeutung von agilem Arbeiten hat in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Komplexere Problemstellungen, höhere Erwartungshaltung und mehr Konkurrenz erfordern eine schnelle Anpassungsfähigkeit, um marktfähig zu bleiben. 

 

Allerdings sind die Adaptionsprozesse in manchen größeren Firmen noch am Laufen. Die Arbeitswelt muss sich erst an diese neue Art des Arbeitens gewöhnen, denn für ein erfolgreiches Arbeiten nach dem Agilen Manifest ist eine Anpassung der Denkweise notwendig. 

 

Uns ist es deshalb wichtig, Mitarbeitenden Zeit und Raum zu geben, zu hinterfragen! Agiles Arbeiten kommt nicht von selbst und braucht Zeit, Aufwand, Ressourcen, Freiraum und Energie. Damit das klappt, werden die Mitarbeitenden nicht zu 100% mit Arbeit beladen. Wir achten darauf, immer noch etwas Freiraum zu lassen, damit man sich nicht im Tagesgeschäft gefangen wiederfindet. Wöchentlich 40 Stunden nur Projektarbeit kann nicht agil sein. Ins Überdenken und Kommunizieren muss Energie gesteckt werden. Es ist ein dauerhafter Prozess, der thematisiert und reflektiert werden muss. Der Mensch steht dabei ganz klar im Mittelpunkt. 

 

Während Corona standen wir hier vor einem Problem. Die ständigen, uns so wichtigen Gespräche nebenher sind weggefallen. Wir haben das durch einen anderen Aspekt kompensiert, der sich auch online durchsetzen ließ: Spaß bei der Arbeit 😉. Regelmäßige Online-Mittagessen und -Spieleabende haben uns zusammengehalten. 

 

Zudem hat jeder amiconsultie ein Grundwissen über die Werte. Kommunikation und konstruktives Denken sind erwünscht und werden gefördert. In wöchentlichen 1on1s zwischen Mentoren und Mentees kann alles vertraulich besprochen werden. Wir freuen uns immer über Leute, die offen sind für Neues und nicht festgefahren sind oder in Einbahnstraßen denken.

 

Unser Learning 

Was wir lernen mussten und noch lernen, ist, die Fäden aus der Hand zu geben. Die Kontrolle abzugeben und Dinge einfach mal laufen zu lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass mal was schief geht. Natürlich lassen wir die Dinge “kontrolliert” laufen und stellen sicher, dass der Laden nicht abbrennt. Es gibt ein Sicherheitsnetz, um zumindest einen gewissen Teilerfolg zu garantieren.  

 

Aus den Fehlern, die dabei entstehen können, kann auch immer etwas gelernt werden. Was dabei wichtig ist, ist wieder die offene Kommunikation.
Durch die Umwandlung von Fehlern ins Konstruktive ist eine Weiterentwicklung möglich. Alles wird ständig neu angeschaut und eine Schleife des Überdenkens wird geschaffen. Also haltet euch eure mentale Flexibilität offen und denkt nicht zu starr 😉. 

 

 

Die drei größten Fehler (unserer Meinung nach) 

  1. Zu viele Prozesse. Jeder eingeführte Prozess schränkt die agile Arbeitsweise ein. Diese Prozesse wieder raus zu bekommen wird schwer. 
    Deshalb: So wenig Prozesse wie möglich, aber so viele wie nötig. So kann die maximale Freiheit gewährleistet werden. Das heißt aber nicht, dass wir keine Prozesse haben. Einige Dinge brauchen feste Prozesse, um nicht im Chaos zu enden. Wäre nämlich echt doof, wenn das halbe Unternehmen zeitgleich im Urlaub ist 😉. Bei bereits bestehenden Prozessen empfehlen wir, ein offenes Auge zu bewahren. Agilität heißt, ständig zu überprüfen: Ergibt das gerade Sinn?

    Ein Prozess darf bei uns auch mal übergangen werden, wenn er für einen Vorgang nicht sinnvoll ist. Damit das funktioniert, muss viel kommuniziert und hinterfragt werden. Wenn ein Prozess nicht mehr passt, wird bei uns darüber gesprochen und dann wird er eventuell angepasst. Und wenn es mal für etwas keinen Prozess gibt, probieren wir es einfach aus. Agil bedeutet also nicht, wenig Prozesse und viel Individualität, sondern die Prozesse, die ich habe, müssen flexibel sein und auf die Individuen passen.
  2. Fehler nicht eingestehen und Mitarbeitende durch eine Nullfehlertoleranz verrückt machen.

    Mit unserer deutschen Erziehung fällt uns das wahrscheinlich erst mal schwer. Schließlich werden wir von klein auf in der Schule darauf getrimmt, dass Fehler schlecht sind. Fehler = schlechte Note = Scham. Dabei sind sie menschlich und früher oder später wird jeder Fehler machen. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Sie müssen ohne Bestrafung eingestanden werden können. Denn schlimmer als der Fehler selbst kann es sein, ihn nicht zuzugeben und nicht richtig zu beheben. Anstelle ihn einer Person zuzuschreiben, sollte er als solcher hingenommen werden und als Team korrigierende Maßnahmen ergriffen werden. Denn die Initiative, sich etwas zu trauen, ist mit einer positiven Fehlerkultur höher.

  3. Kommunikation verloren gehen lassen. Bei Unternehmenswachstum steht man oft vor dem Problem, dass die Qualität der Kommunikation mit dem Wachstum abnimmt. Mit Kommunikationsworkshops und agilen Workshops haben wir es geschafft, für gute Kommunikation zu sensibilisieren. Und zwar das ganze Unternehmen, nicht nur die, die es gerade brauchen. Die Unternehmenskultur sollte als zentrales Element innerhalb des Unternehmens immer mit- und weitergegeben werden.

    Wie schon angesprochen sind auch lösungsorientiertes Hinterfragen und eine positive Fehlerkultur eine Schlüsselkomponente. Ganz nach der Devise: nicht nur meckern, sondern auch mit Optionen und Alternativen kommen. Und natürlich: auch Freiräume bieten, diese Optionen und Alternativen zu etablieren.

Ein wichtigster Wert? 

Nach all unseren Jahren an Erfahrung mit dem Arbeiten nach dem agilen Manifest können wir feststellen: Es gibt keinen wichtigsten Wert. Zumindest können wir keinen nennen. Es gilt für uns immer, die Schwachstelle des Kunden auszuloten. Jede Kundensituation ist anders, muss analysiert werden, um eine individuelle Lösung zu finden. 

 

Außerdem ist es auch rollen- und teamabhängig, was als wichtig gesehen wird. Für eine Beraterin ist Kundenkommunikation wahrscheinlich höher gerankt als für eine Softwareentwicklerin. 

 

Zudem muss noch gesagt sein: Agilität funktioniert nicht immer und ist kein Allheilmittel! In harten bürokratischen Bereichen mit starren Hierarchien (z.B. Ämter), in denen klar definierte Aufgaben abgearbeitet werden, ist Agilität weniger geeignet. Gut etablierte Prozesse, die funktionieren und abgearbeitet werden, werden durch Agilität nicht bereichert. Sie punktet vor allem im komplexen Umfeld, wo Lösungen nicht klar definiert oder Anforderungen volatil sind.
Bei der agilen Transformation schauen wir uns zuerst die jeweilige Situation genau an und überlegen: was könnte helfen und was nicht? Das besprechen und erarbeiten wir gemeinsam mit dem Kunden. 

 

Dich sprechen die Gedanken zum Agilen Manifest an, du weißt aber noch nicht so genau, wie du beginnen sollst, diese in die Tat umzusetzen? Dann komm gerne auf uns zu und wir helfen dir herauszufinden, was für dich am besten passt und wie du die optimale agile Arbeitsweise erreichen kannst. 

 

Author

Christina

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