Tim Lipphardt
Head of Consulting
Digitale Souveränität im IAM: Warum Europa gerade an Selbstbewusstsein gewinnt
Abhängigkeit wird zum Risiko
Geopolitische Verschiebungen und Gesetze wie der CLOUD Act machen die enge Bindung an einen einzigen US Anbieter zu einem potenziellen Risiko.
Kunden fragen aktiver nach
Vor ein paar Jahren war das noch eine Randnotiz. Heute steht die Frage nach europäischen Alternativen oft weit oben auf der Liste.
Europa zieht mit
Europäische IAM Anbieter können technisch mithalten und treten selbstbewusster auf als früher.
Die Kernbotschaft
Digitale Souveränität rückt in den Fokus
Wie abhängig sind wir eigentlich von unserem amerikanischen IAM Anbieter? Diese Frage hören wir bei amiconsult in letzter Zeit auffällig oft. Vor ein paar Jahren kam sie kaum vor.
Der Grund ist schnell erklärt. Geopolitische Verschiebungen, vor allem in den USA, und Gesetze wie der CLOUD Act machen aus einer bequemen Standardentscheidung ein handfestes Risiko. Und genau das bringt gerade Bewegung in den europäischen IAM Markt, bei Kunden und bei Herstellern.
Der Auslöser
Warum das Thema gerade überall auftaucht
Digitale Souveränität stand lange auf der Liste der Themen, die man kennt, aber nicht wirklich priorisiert. Das ändert sich gerade. Die politische Lage in den USA ist unberechenbarer geworden, Big Tech und Politik dort sind enger verzahnt als noch vor wenigen Jahren, und plötzlich ist Handelspolitik auch ein IT Thema.
Der CLOUD Act und der Zugriff auf deine Daten
Ein konkreter Punkt: Der US CLOUD Act verpflichtet amerikanische Unternehmen, US Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff auf Daten zu geben, egal wo diese Daten physisch liegen. Für IAM ist das relevant, weil dort Identitäten, Berechtigungen und Zugriffsprotokolle liegen.
Das heißt nicht, dass ständig irgendwer mitliest. Es heißt aber, dass die Möglichkeit besteht, und im Rahmen von NIS2 müssen Unternehmen solche Lieferkettenrisiken mittlerweile sauber dokumentieren.
Wenn ein US Anbieter politisch unter Druck gerät
Der zweite Punkt ist simpler, aber genauso relevant: Lizenzmodelle, Preise, Roadmaps, das ändert sich bei großen Anbietern laufend, und ein einzelnes europäisches Unternehmen hat darauf wenig Einfluss. Kommt jetzt noch eine angespannte geopolitische Lage obendrauf, wird aus einer strategischen Entscheidung schnell eine Abhängigkeit, die man sich so nie ausgesucht hätte. Auch das BSI ordnet digitale Souveränität mittlerweile als strategische Aufgabe ein.
Kundensicht
Umdenken beim Blick auf Abhängigkeiten
Was wir bei unseren Kunden beobachten, passt genau ins Bild. Vor drei, vier Jahren haben die wenigsten gezielt nach europäischen Lösungen gefragt. Heute steht sie oft ziemlich weit oben auf der Anforderungsliste.
Ein Anbieter, ein Ökosystem, ein Risiko
Kurz gesagt: Wer sein komplettes Identity und Access Management bei einem einzigen großen Anbieter bündelt, bündelt auch das Risiko. Gerät der Anbieter aus politischen, wirtschaftlichen oder technischen Gründen ins Straucheln, betrifft das nicht nur ein Tool, sondern die gesamte Zugriffssteuerung im Unternehmen.
Was uns Kunden aktuell fragen
In Projekten hören wir gerade ziemlich oft:
- Wo genau liegen unsere Identitätsdaten, und wer hat theoretisch Zugriff darauf?
- Gibt es zu unserem Anbieter eine europäische Alternative, die technisch mithalten kann?
- Wie aufwändig wäre ein Wechsel, falls wir uns in zwei, drei Jahren umentscheiden?
Ganz normale Risikoabwägung, wie man sie bei jedem kritischen Lieferanten stellen sollte.
Herstellerseite
Europäische IAM Anbieter treten selbstbewusster auf
Und hier kommt der zweite Teil der Geschichte ins Spiel: Auch die Anbieterlandschaft bewegt sich. Omada beispielsweise, ein dänischer Player im Bereich Identity Governance Administration, hat mit einem eigenen Sovereign Angebot nachgelegt, speziell für Unternehmen mit hohen Souveränitätsanforderungen. Und cidaas aus Deutschland wurde 2026 von KuppingerCole als Leader im Bereich Customer Identity Access Management ausgezeichnet.
Das sind nur zwei Beispiele, die sich gut eignen, um die Bewegung greifbar zu machen. Am Markt ziehen aktuell noch etliche weitere europäische IAM Anbieter mit, die ähnlich selbstbewusst auftreten und in Weiterentwicklung, Zertifizierungen und Sichtbarkeit investieren. Europa geht hier gerade stark voran.
Unterstützung gefällig?
Du willst wissen, wie abhängig dein Unternehmen aktuell wirklich ist und welche europäischen Alternativen für euch infrage kommen? Schreib uns gerne ganz unverbindlich und lass dich beraten.
Die Dynamik
Warum sich das gegenseitig beeinflusst
Diese beiden Bewegungen bedingen sich gegenseitig, und das ist der eigentlich spannende Teil. Je mehr Kunden europäische Anbieter ernsthaft in Betracht ziehen, desto mehr Budget und Aufmerksamkeit fließt bei diesen Anbietern in Weiterentwicklung, Zertifizierungen und Sichtbarkeit. Das macht sie für die nächste Kundenrunde wieder attraktiver. Ein positiver Kreislauf, von dem am Ende der ganze europäische IAM Markt profitiert.
Fazit
Digitale Souveränität beginnt mit einer bewussten Entscheidung
Abhängigkeit ist kein Zufall, sondern eine Wahl: Wer sich bewusst mit seinen Abhängigkeiten befasst, entscheidet am Ende einfach besser.
Der Markt bewegt sich auf beiden Seiten: Europäische IAM Anbieter investieren sichtbar in ihre Weiterentwicklung.
Kein Dogma, sondern Abwägung: Es geht nicht darum, US Anbieter grundsätzlich zu meiden, sondern europäische Optionen ernsthaft mitzudenken.
Der Markt rund um IAM und digitale Souveränität bewegt sich gerade ordentlich. Wir bei amiconsult behalten europäische IAM Anbieter, Lösungen und Trends auf beiden Seiten des Atlantiks im Blick und helfen dir, eine Entscheidung zu treffen, die wirklich zu deinem Unternehmen passt. Wir freuen uns auf deine Nachricht.