Tim Lipphardt
Head of Consulting
Non-Human Identities: Wenn Maschinen eigene Identitäten brauchen
Nicht neu, aber anders
Maschinenidentitäten sind kein neues Phänomen. Service Accounts und Zertifikate begleiten die IT seit Jahrzehnten. Was sich geändert hat, sind die Rahmenbedingungen: mehr Cloud, mehr Automatisierung, mehr Angriffsfläche.
Die Menge macht den Unterschied
Non-Human Identities übersteigen menschliche Identitäten in vielen Unternehmen. Ohne Transparenz und Governance wird das zum Risiko.
Erweiterung statt Revolution
Wer seine bestehenden IAM Prozesse gezielt auf Maschinenidentitäten ausweitet, schafft Kontrolle, ohne alles neu erfinden zu müssen.
Was sich verändert hat
Service Accounts gibt es seit Jahrzehnten. Was ist jetzt anders?
Mal ganz ehrlich: Maschinenidentitäten sind nichts, was über Nacht aufgetaucht ist. Service Accounts, Zertifikate, API Keys, Dienstkonten: Das alles kennen wir schon lange. In vielen Unternehmen laufen Hunderte dieser Identitäten seit Jahren zuverlässig im Hintergrund, ohne dass jemand groß darüber nachdenkt.
Was sich verändert hat, sind drei Dinge gleichzeitig.
Die Aufgabe, Maschinenidentitäten zu managen, ist also nicht grundlegend neu. Aber sie hat eine Dimension bekommen, die viele bestehende Prozesse schlicht nicht mehr abdecken.
Begriffe sortiert
Was genau sind Non-Human Identities?
Bevor wir tiefer einsteigen, kurz die Begriffe sortiert.
Non-Human Identities (NHI) ist der Oberbegriff für alle digitalen Identitäten, die nicht an eine reale Person gebunden sind. Anwendungen, Bots, IoT Geräte oder KI Agenten.
Machine Identity ist ein Teilbereich davon: digitale Zertifikate, Schlüssel und Tokens, die die Kommunikation zwischen Maschinen absichern. Also alles auf PKI Ebene.
In der Praxis umfasst das Thema konkrete Identitätstypen wie Service Accounts, API Keys und OAuth Tokens, Workload Identities in der Cloud, IoT Geräte mit eigenen Zertifikaten und seit Neuestem auch KI Agenten, die eigenständig auf Systeme zugreifen.
Und genau hier wird es relevant: Klassische IAM Mechanismen wie MFA oder SSO lassen sich auf Maschinenidentitäten nicht übertragen. Ein Service Account kann keinen zweiten Faktor eingeben. Das bedeutet, dass Non-Human Identities einen eigenen Governance Ansatz brauchen.
Aus der Praxis
Wo es in der Praxis oft hakt
Ein Beispiel, das wir so oder so ähnlich regelmäßig bei Kunden sehen: Ein Entwicklerteam richtet für ein Cloud Migrationsprojekt einen Service Account mit weitreichenden Berechtigungen ein. Das Projekt läuft sechs Monate, wird erfolgreich abgeschlossen, das Team löst sich auf.
Der Service Account? Läuft weiter. Mit denselben Rechten. Ohne Owner. Zwei Jahre später fällt er in einem Security Audit auf, weil er plötzlich Zugriffe auf Produktionsdatenbanken durchführt, die niemand zuordnen kann. War das ein automatisierter Job oder ein kompromittierter Account? Ohne Monitoring lässt sich das nicht beantworten.
Das ist kein Worst Case Szenario, das ist Alltag. Und es zeigt ziemlich gut, wo die typischen Schwachstellen liegen.
Das alles sind keine exotischen Probleme. Durch die steigende Menge an Non-Human Identities werden sie nur sichtbarer.
Konkrete Schritte
Maschinenidentitäten sauber aufstellen: Was du konkret tun kannst
Die gute Nachricht: Du musst nicht bei null anfangen. Wer bereits ein funktionierendes Identity und Access Management betreibt, hat die Grundlagen gelegt. Es geht darum, bestehende Prozesse gezielt auf Non-Human Identities auszuweiten.
Und hier eine klare Einordnung von unserer Seite: Wer jetzt mit Machine Identity Management starten will, bevor die IAM Basics sauber stehen, macht den zweiten Schritt vor dem ersten. Ohne saubere Governance, ohne klare Ownership Strukturen und ohne ein funktionierendes Lifecycle Management hilft auch die beste Technologie nicht weiter. Erst die Prozesse, dann die Werkzeuge.
Unterstützung gefällig?
Du willst deine Maschinenidentitäten in den Griff bekommen? Wir helfen dir, den Überblick zu schaffen und die richtigen Prozesse aufzusetzen.
Architektur
Das Gesamtbild: NHIs als Teil deiner IAM Architektur
Maschinenidentitäten isoliert als Sonderprojekt zu behandeln, wäre der falsche Ansatz. Sie gehören in deine bestehende Identity Governance und dein Privileged Access Management integriert. IGA übernimmt Ownership, Policy Definition und Rezertifizierung. PAM kümmert sich um Secrets Management und Credential Rotation.
Und genau hier kommt die Identity Fabric ins Spiel. Ein modularer, serviceorientierter Architekturansatz, der menschliche und nicht-menschliche Identitäten in einer kohärenten Struktur zusammenbringt. Über Cloud, Hybrid und On Premise Umgebungen hinweg. Die Identity Fabric sorgt dafür, dass bei jedem Zugriff klar ist: Wer fragt an, mit welchen Rechten, und ist das autorisiert?
Wer seine IAM Architektur so aufstellt, schafft auch die Flexibilität, neue Identitätstypen kontrolliert zu integrieren, ohne alles von Grund auf neu aufzubauen.
Und dann sind da noch die KI Agenten
Ein Aspekt, der das Thema Maschinenidentitäten gerade nochmal auf ein neues Level hebt: Agentic AI. KI Agenten sind nicht einfach nur eine weitere Variante von Service Accounts. Sie handeln eigenständig, treffen Entscheidungen, rufen APIs auf und arbeiten mit anderen Agenten zusammen. Das macht sie zu einer Identitätskategorie, die sich von klassischen NHIs fundamental unterscheidet.
KI Agenten brauchen kurzlebige, aufgabenbezogene Credentials, nachvollziehbare Delegationsketten und kontinuierliches Monitoring, weil sich ihr Verhalten nicht so vorhersagen lässt wie das eines klassischen Batch Jobs. Wer seine Maschinenidentitäten heute sauber managt, hat die beste Grundlage, um KI Agenten morgen kontrolliert einzubinden.
Fazit
Non-Human Identities: Kein Hype, sondern logische Weiterentwicklung
Maschinenidentitäten sind kein Hype Thema, sondern eine logische Weiterentwicklung: Jede Entität, die auf Systeme zugreift, braucht eine saubere Identität. Was sich geändert hat, ist die Menge, die Dynamik und die Bedrohungslage.
Darauf sollten Unternehmen reagieren. Nicht mit Panik, sondern mit klaren Prozessen, Transparenz und einer IAM Architektur, die alle Identitätstypen berücksichtigt.
Der Markt rund um Non-Human Identity Management entwickelt sich gerade schnell weiter. Wir bei amiconsult kennen die Lösungen und Anbieter und wissen, wo die Praxis oft anders aussieht als die Produktversprechen. Wenn du wissen willst, wie du Maschinenidentitäten in deinem Unternehmen sauber aufstellst, sprich uns an.